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Kapitelinhalt 170. Kapitel: Untergang der Höllenmacht. Cado als einziger Überlebender gibt erschüttert besseren Regungen Raum. Der Geist ist willig - aber das Fleisch ist noch schwach.

Originaltext 1. Auflage 1898 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text nach 2. Auflage 1929 Lorber-Verlag
Versnummerierung nach 3. Aufl. 1963, Lorber-Verlag

01] Kado sieht nun bebend und sehr erschreckt seinem fliehenden Prinzipale nach, und sieht, wie einer mächtigen Feuergluth rascher Wogensturz dem Fliehenden schon sehr nahe an die Fersen nachkommt. Der Fliehende heult nun ganz entsetzlich, und schon so mancher aus der glühenden Fluth hervorzuckender Funke leckt an seiner empfindlichen Haut. Das entsetzt den Kado, und es scheint eines jeden Funken Brand, der seines Herrn Prinzipals Haut berührt, auch die seine ganz gewaltigst zu stechen.

02] Nun aber hat die Fluth den fliehenden Prinzipal auch erreicht. Und der Kado schreiet: »O Herr Je-, o Du allmächtige Gottheit, er ist verschlungen! wie ein Thautropfen am glühendsten Erze, so auch ward er sicher allerschmerzlichst verzehrt, und kein Wesen kommt ihm zu Hülfe! Wer aber solle ihm auch zu Hülfe kommen? Seine Mächtigen sind bereits alle begraben; ich bin auf diesem Hügel, der bereits auch zur Hälfte von der gräßlichsten Fluth umflossen ist, und wo nur ein schmaler Streif gen Morgen hin schlechtweg passierbar ist, auch auf dem Punkte, in einigen Augenblicken sein Loos zu theilen, und wollte ich auch hin an die unglückliche Stelle rennen, so würde ihm das nun dennoch nichts mehr nützen. Kurz, ich bleibe, wo ich bin, und die göttliche Allmacht solle mit mir machen, was Sie will; denn zu entfliehen ist Ihr nimmer. Dieß Feuermeer nun muß aber auch eine unermeßliche Brennhitze haben, da es mich schon hier so unausstehlich brennt, wo es doch noch nach meinem Augenmaße mehrere hundert Schritte von mir entfernt sein dürfte.

03] Großer Gott! welch' eine Marter, welche Schmerzen in der höchsten Intensivität werden nur zu bald mein ewiger Antheil sein. Das ist also die fürchterliche Hölle, deren Wurm nimmer stirbt, und deren entsetzlichstes Feuer nimmer erlischt. O Gottheit, o Gottheit! habe Erbarmen mit einem Kinde der Hölle, das zwar überaus schlecht war und ist, aber doch wenigstens seine Gräuel erkennt und nun leider zu spät bereuet. Ich habe zwar schon eine entsetzlich schmerzliche Höllentour durchgemacht; aber ich fühlte da im höchsten Schmerzesübermaße eine Kraft in mir, durch die ich mich meiner Peiniger habe entledigen können; aber beim Anblicke dieser rein göttlichen Strafmacht hat mich alle Kraft verlassen, und ich fühle nun kaum die Kraft eines Insektes in mir, und muß mich demnach gefangen nehmen lassen von der leider gegen mich gerechten Zornfluth des göttlichen Rachefeuers.«

04] (Miklosch:) „Nun sinkt Kado auf seinem Hügel zusammen, und erwartet die ihn verzehrende Fluth, die ich zwar wohl noch ganz mächtig hin- und herwogen, aber dennoch nicht mehr steigen sehe; denn bis auf den Kado ist nun alles, was da gegen uns zu Felde ziehen wollte, waidlichst von ihr verschlungen; nur das einzige kommt mir noch unerklärlich vor, daß da die mächtigen Himmelsfürsten sich noch nicht entfernen wollen. Auch die schauerliche Grotte, obschon über die Hälfte erfüllt mit dem Feuerstrome, der nun etwas zu erhärten beginnt, hat ihr scheußlich drohendes Aussehen noch nicht verloren."

05] Rede Ich: „Der Kampf ist noch nicht zu Ende, und der Kado noch nicht völlig verloren; gebet aber nur Acht, was nun weiter geschehen wird; darauf erst solle euch Allen eine genügende Aufklärung zutheile werden."

06] Der Miklosch beobachtet jetzt nur hauptsächlich den Hügel, auf dem der Kado also zusammengekauert liegt, als wäre er todt; aber da die schreckliche Fluth denn doch über des Kado beiläufige Berechnung nicht an seine Haut gelangen will, so fängt er langsam sich wieder emporzurichten an, um zu sehen, was es denn nun da mit diesem Zornsturme aus der Gottheit Rachekammern für einen Fortgang nehme. Er ersieht zwar noch das Feuermeer in seiner gleichen wogenden Thätigkeit, nur merkt er, daß es sich nicht mehr weiter ausbreite, und auch nicht höher steige, als wie es sich gleich Anfangs ausgebreitet hatte über eine unübersehbare weiteste Fläche und gestiegen ist zu einer bedeutenden Höhe.

07] Diese Erscheinung flößt dem Kado mehr Muth ein, und er spricht nun bei sich: »Was haben nun alle diese Esel und Ochsen davon, daß sie sich wieder einmal den argen Spaß gemacht hatten, mit der allmächtigen Gottheit einen Kampf zu wagen? Aber ich selbst bin eigentlich auch ein Esel und Ochse zugleich; warum habe ich denn ehedem den Antrag jener zwei Boten nicht angenommen, denen es von der Gottheit gegeben war - mich zu retten von dem schauervollsten Untergange. Wo sind diese Herrlichen nun? Rings um mich her ist Nacht, nur das glühende Feuermeer wirft einen matten Zornschimmer über mein verfluchtes bärenzottiges Wesen. Gegen Morgen dort, in weitster Ferne, wie es mir vorkommt, entdecke ich einen freundlichem Schimmer, als wie dieser da hier ist, der vom Spiegel dieses Qualmeeres über mein Wesen sich verbreitet. Wie es etwa doch wäre, so ich längs dieser Hügelzunge mich dahin zöge? Denn schrecklicher und gefährlicher kann es doch nirgends mehr sein, als eben hier in der Mitte der untersten Hölle.«

08] Nun macht sich Kado auf die Beine, und fängt ganz rasch an sich gegen uns her zu bewegen; aber, wie ich's merke, so giebt seine Bewegung eben nicht sehr aus, und es hat das Ganze seines Bewegens ein Aussehen, als ob er sich selbst mit seiner Schnellfüßlerei foppen möchte; denn er zippelt und zappelt fast immer auf einem und demselben Punkte. Was wohl kann davon die Ursache sein, daß er bei seinem sicher festen Willen nicht weiter kommen kann?"

09] Rede Ich: „Der Grund davon liegt in dem, daß solche Geister auch bei den besten Vorsätzen und bei guter Erkenntniß dennoch ein Herz voll Unflathes haben, aus dem fortwährend böse Dünste in die Kammer des Willens aufsteigen, und stets allda einen Rücktritt bewirken, wo der bessere aber schwächere Willensantheil einen Fortschritt thun wollte. Es geht ja Vielen auf der Welt auch so, sie kennen das Gute und das Wahre, und nehmen sich auch immer vor, es auszuüben; aber gemeiniglich in den Momenten, da sie das Gute und Wahre in ihren Willen aufnehmen wollen, da dunstet dann auch ihr Fleisch am meisten; sie werden schwach, und kommen trotz ihres Strebens nicht vom Flecke; und so ist denn der Geist stets willig, aber das Fleisch ist schwach; und da an diesem Kado habt ihr nun ein lebendiges Beispiel, wie ein Mensch oder Geist aus seiner eigenen Kraft nichts vermag ohne Mich; mit Mir aber vermag er alles!"

01] Miklosch berichtet weiter: "Cado schaut nun bebend und sehr erschreckt seinem fliehenden Häuptlinge nach und sieht, wie einer mächtigen Feuerglut rascher Wogensturz dem Fliehenden schon sehr nahe an die Fersen kommt. Der Fliehende heult nun ganz entsetzlich, und schon so mancher aus der glühenden Flut hervorzuckende Funke leckt an seiner empfindlichen Haut. Das entsetzt den Cado, und es scheint eines jeden Funken Brand, der seines Herrn Häuptlings Haut berührt, auch die seine ganz gewaltigst zu stechen.

02] Nun aber hat die Flut den fliehenden Häuptling auch erreicht. - Und Cado schreit: »O herrje, o Du allmächtige Gottheit - er ist verschlungen! Wie ein Tautropfen vom glühenden Erze so ward auch er sicher allerschmerzlichst verzehrt! Und kein Wesen kommt ihm zu Hilfe! Wer aber sollte ihm auch zu Hilfe kommen?! Seine Mächtigen sind bereits alle begraben. Ich bin auf diesem Hügel (der bereits auch zur Hälfte von der gräßlichen Flut umflossen ist und wo nur ein schmaler Streif gen Morgen hin noch schlechtweg passierbar ist) auch auf dem Punkte, in einigen Augenblicken sein Los zu teilen; und wollte ich auch an die unglückliche Stelle hinrennen, so würde ihm das nun dennoch nichts mehr nützen. Kurz, ich bleibe, wo ich bin, und die göttliche Allmacht soll mit mir machen, was sie will; denn zu entfliehen ist Ihr nimmer. Dies Feuermeer muß aber auch eine unermeßliche Brennhitze haben, da es mich schon hier so unausstehlich brennt, wo es doch nach meinem Augenmaße noch mehrere hundert Schritte von mir entfernt sein dürfte.

03] »Großer Gott, welch eine Marter, welche Schmerzen in der höchsten Schärfe werden nur zu bald mein ewiger Anteil sein! - Das ist also die fürchterliche Hölle, deren Wurm nimmer stirbt und deren entsetzliches Feuer nimmer erlischt! - O Gottheit, o Gottheit! Habe Erbarmen mit einem Kinde der Hölle, das zwar überaus schlecht war und ist, aber doch wenigstens seine Greuel erkennt und nun, leider zu spät, bereut! Ich habe zwar schon eine entsetzlich schmerzliche Höllentour durchgemacht; aber ich fühlte da im höchsten Schmerzensübermaße eine Kraft in mir, durch die ich mich meiner Peiniger habe entledigen können. Aber beim Anblicke dieser rein göttlichen Strafmacht hat mich alle Kraft verlassen. Und ich fühle nun kaum die Kraft eines Insektes in mir und muß mich demnach gefangennehmen lassen von der gegen mich - leider - gerechten Zornflut des göttlichen Rachefeuers.«

04] Miklosch fortfahrend: "Nun sinkt Cado auf seinem Hügel zusammen und erwartet die ihn verzehrende Flut, die ich zwar wohl noch ganz mächtig hin und her wogen, aber dennoch nicht mehr steigen sehe. Denn bis auf den Cado ist nun alles, was da gegen uns zu Felde ziehen wollte, weidlichst von ihr verschlungen. Nur das einzige kommt mir noch unerklärlich vor, daß da die mächtigen Himmelsfürsten sich noch nicht entfernen wollen. Auch die schauerliche Grotte, obschon über die Hälfte erfüllt mit dem Feuerstrome, der nun etwas zu erhärten beginnt, hat ihr scheußlich drohendes Aussehen noch nicht verloren."

05] Rede Ich: "Der Kampf ist noch nicht zu Ende und der Cado noch nicht völlig verloren! - Gebet aber nur acht, was nun weiter geschehen wird! Darauf erst soll euch allen eine genügende Aufklärung zuteil werden!"

06] Miklosch beobachtet jetzt nur hauptsächlich den Hügel, auf dem Cado also zusammengekauert liegt, als wäre er tot, und berichtet weiter: "Aber da die schreckliche Flut denn doch über des Cado beiläufige Berechnung nicht an seine Haut gelangen will, so fängt er langsam sich wieder emporzurichten an, um zu sehen, was es denn nun da mit diesem Zornsturme aus der Gottheit Rachekammern für einen Fortgang nehme. Er ersieht zwar noch das Feuermeer in seiner gleichen, wogenden Tätigkeit, nur merkt er, daß es sich nicht mehr weiter ausbreitet und auch nicht höher steigt, als es sich gleich anfangs über eine unübersehbar weite Fläche ausgebreitet hatte und zu einer bedeutenden Höhe gestiegen war.

07] Diese Erscheinung flößt dem Cado mehr Mut ein, und er spricht nun bei sich: »Was haben nun alle diese Esel und Ochsen davon, daß sie sich wieder einmal den argen Spaß gemacht haben, mit der allmächtigen Gottheit einen Kampf zu wagen?! Aber ich selbst bin eigentlich auch ein Esel und Ochse zugleich! Warum habe ich denn ehedem den Antrag jener zwei Boten nicht angenommen, denen es von der Gottheit gegeben war, mich von dem schauervollsten Untergange zu retten!? - Wo sind diese Herrlichen nun? - Rings um mich her ist Nacht, nur das glühende Feuermeer wirft einen matten Zornschimmer über mein verfluchtes bärenzottiges Wesen. Gegen Morgen - dort in weitester Ferne, wie es mir vorkommt - entdecke ich einen freundlicheren Schimmer als dieser dahier ist, der vom Spiegel dieses Qualmeeres über mein Wesen sich verbreitet. Wie wäre es etwa doch, so ich längs dieser Hügelzunge mich dahin zöge? Schrecklicher und gefährlicher kann es doch nirgends mehr sein, als eben hier in der Mitte der untersten Hölle!«

08] Nun macht sich Cado auf die Beine und fängt ganz rasch an, sich gegen uns her zu bewegen. Aber, wie ich merke, so gibt seine Bewegung eben nicht sehr aus. Und es hat sein ganzes Bewegen ein Aussehen, als ob er sich selbst mit seiner Schnellfüßlerei foppen möchte. Denn er zippelt und zappelt fast immer auf einem und demselben Punkte. Was kann davon wohl die Ursache sein, daß er bei seinem sicher festen Willen nicht weiterkommen kann?"

09] Rede Ich: "Der Grund davon liegt in dem, daß solche Geister auch bei den besten Vorsätzen und bei guter Erkenntnis dennoch ein Herz voll Unflat haben, aus dem fortwährend böse Dünste in die Kammer des Willens aufsteigen und allda stets einen Rücktritt bewirken, wo der bessere aber schwächere Willensanteil einen Fortschritt tun wollte. Es geht ja vielen auf der Welt auch so: sie kennen das Gute und das Wahre und nehmen sich auch immer vor, es auszuüben - aber gemeiniglich in den Augenblicken, da sie das Gute und Wahre in ihrem Willen aufnehmen wollen, da dunstet dann auch ihr Fleisch am meisten; sie werden schwach und kommen trotz ihres Strebens nicht vom Flecke. Und so ist denn der Geist stets willig, aber das Fleisch ist schwach! - Und da an diesem Cado habt ihr nun ein lebendiges Beispiel, wie ein Mensch oder Geist aus seiner eigenen Kraft nichts vermag - ohne Mich. Mit Mir aber vermag er alles!"

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